G E R M A I N E  R I C H T E R

 

 

Aktuelles

 

 

Kunstvermittlung

 

Positionen zeitgenössischer Kunst

 

Kleine Kunststunde zu Erwin Wurm und Jaume Plensa   

 6.10., 13.10., 22.10. (Exkursion) 2026

jeweils 17.30 - 19.00

VHS Schwerte

 

 

Werkpräsentationen

 

"Freiheitsstatue", Objekt

"Behauptungen", Objekte

"Rilke Zitate", Klappbücher

 in der Ausstellung Mein bestes Stück

25 Jahre REFLEX

5.Okt. - 30.Okt. 2026

Kamener Stadthalle/Haus der Stadtgeschichte Kamen

 

"So fühle ich mich beim Downloaden - Postfaktisch"

 in der Ausstellung Vielfalt durch Dialog

23.Oktober bis 22.November 2026

Galerie Kultur-Punkt, Westwall 1, Schwerte

 

 

"Fuge", Foto, mixed media auf Bütten 

 in der Ausstellung Fuge

20.Nov. 2026 - 10.Jan. 2027

Kunstverein Ahlen, Königstr. 7

                                                                                                          

                                                                    

                                                                         Graphik zu 500 Jahre Reformation

Künstler illustrieren Luther-Zitate

"Die größte Ehre, die ein Weib hat, ist allzumal, dass Männer durch sie geboren werden."

Gemeindezentrum an der Viktor Kirche

Schwerte, Marktplatz

Dauerausstellung

 

 

Aktuelle Ausstellungsbesuche

 

 

Rosemarie Trockel

„Déjà-vu“

Baukunstarchiv NRW, Dortmund

Preis der Kulturstiftung Dortmund

16. Oktober – 15. November 2026

 

Kühl, klar, sachlich - so der erste Eindruck im alten Ostwall Museum in Dortmund, betritt man den Lichthof mit der originalen Konstruktion der alten Lichtdecke, ab 1875 Landesoberbergamt, nach dem Umbau des Stadtbaurats Friedrich Kullrich 1911 Museum der städtischen Sammlung und heute ein neuer Museumsbau auf den früheren Gebäuderesten – in seiner einfachen Vielschichtigkeit ein guter Ort für Trockels so schlicht daherkommende Doppelbödigkeit!

Unspektakulär, als gehörten sie zum Gebäude, die 34 Pigmentdrucke in glatten Alurahmen in nahtloser Hängung entlang der oberen Kante von zwei-ein-halb Wänden, die meisten in Schwarz-weiß. Zwar erkennt oder besser ahnt man schon von weitem, dass Details und einzelne Bilder „alte Bekannte“ sind, die in anderen Ausstellungen so oder ähnlich schon einmal zu sehen waren, einige davon neu bearbeitet. Die verborgenen Botschaften entdecken sich überfallartig beim intensiven Betrachten der Exponate. Ganz gleich, wo man ansetzt, innehält, sucht – überall ist die BetrachterIn sich selbst und ihrer eigenen Wahrnehmung auf der Spur.

In „Moma´s Boy“ von 2016 sitzt ein dunkelhaariger junger Mann, vielleicht Sohn mittelamerikanischer Eltern, mit übereinander geschlagenem Bein der BetrachterIn frontal gegenüber. Den Stuhl um 90 Grad gedreht, ruht sein linker Arm lässig über der hölzernen Rückenlehne, die rechte Hand hat er auf seinem rechten Knie abgelegt. Unerwartet zart und gepflegt die Hände und die Fingernägel, er trägt eine grobe Arbeitsschutzmaske über Mund und Kinn. Auch seine Kleidung hinterlässt Fragen: weißes Manschetten-Hemd mit schmutzigen Arbeitsspuren in Grau und zartem Blau, eine dunkle Strickkrawatte locker gebunden, Jeans. Aus seiner rechten Hosentasche hängen die ebenfalls befleckten weißen Baumwollhandschuhe heraus, die beim Hantieren mit Kunst üblicherweise getragen werden. Sein fester Blick ist ruhig und selbstbewusst, fest, ja fordernd, Basquiat-haft auf die BetrachterIn gerichtet.

Er sitzt vor einer weißen Wand und verdeckt den rechten unteren Zipfel einer Papierabbildung eines Fotos, das hinter ihm angebracht ist. Die Abbildung scheint die ungenau verschwommene Wiedergabe einer Museumswand zu sein, anteilig sieht man historisierende Wandverzierungen, zwei historische Rahmen, eine Leerstelle dazwischen, die noch Befestigungen und Bezeichnungsschild trägt. Eins der Gemälde lässt eine Mutter-Kind Szene ahnen.

Beim Abtasten der sichtbaren Inhalte ergeben sich beständig Zweifel, Unsicherheiten, Fragen nach Sinnzusammenhängen:

Ruht sich der junge Mann aus? Hilft er im Museum beim Aufbau? Ist er selbst Künstler und gehört ins Museum? Ist er nicht auch statt „Moma´s Boy“ „Mamas Junge“? Fordert er mich, die Betrachterin heraus, ihn anzuschauen anstelle der Kunst im Museum? Sind Kunst und Museum im Wandel? Muss Kunst neu, globaler gesehen werden?

Die Fragen werden initiiert durch das Bild, aber sie gründen immer in der betrachtenden Person und deren Denken, jede BesucherIn folgt ihren eigenen Impulsen.

Rosemarie Trockel durchwandert beim Komponieren ihrer Bilder ihren eigenen Kosmos und gestaltet ein Spiel um Wissen und Andeutungen, um Vorstellungen und Phantasien.

So ereignet sich ein „Déjà-vu“ ganz konkret im Wiedersehen mit „Trockel-Details“ aber auch ein „Déjà-vu“ mit unseren eigenen Erfahrungen, Gedanken, Erkenntnissen.

 

Maurizio Cattelan

„Night“

Neue Nationalgalerie Berlin

10. September 2026 – 7. März 2027

 

Der Himmel ist voller Tauben – zumindest in der neuen Nationalgalerie in Maurizio Cattelans „Night“ – Ausstellung, ungewöhnlich für nachts, wenn alle Vögel schlafen. Diese 4.000 ausgestopften Tiere sitzen im Gebälk der Kassettendecke, die in bewundernder Weite den gesamten Ausstellungsraum überspannt. Friedenstauben, Brieftauben oder ganz normale Stadttauben, die das Treiben unter sich neugierig oder anteilslos beäugen.

Besucher, die diesen Blick aus hoher Warte nicht haben, arbeiten sich unten arglos von Werk zu Werk, dabei wird die Stimmung immer gedämpfter.

Schon beim Anstieg auf der äußeren Freitreppe fällt der Blick auf die großen altdeutschen Lettern „CATTELAN“ auf den Fensterscheiben der Eingangsfront, nach dem AfD-Sieg der Wahl in Sachsen-Anhalt am ersten September-Wochenende ungute Ahnungen – der Schrifttyp wird häufig von rechtsorientierten Gruppierungen für ihr rückwärts gerichtetes Weltbild und Programm benutzt.

Auf dem Dach, wie schon in anderen Cattelan-Ausstellungen, der kleine Blechtrommler Oskar mit seinen monotonen Trommelschlägen, der hilflos versucht, gegen das Böse an zu trommeln.

Vor der Eingangsdrehtür die nächste Irritation. Im Boden eingelassen ein Gully-Deckel (Scar) mit der Reliefschrift aller ausgestellten Werke: Night, Him, All, Purgatory, People, Bones, We, Dust, Pentecost, We are the revolution, Novecento, First, Dawn, Scar, Charly don´t surf, Never – etwa das Programm, das wir, steigen wir nach unten in die modrigen Versorgungsschächte der Unterwelt, erleben werden?

Die Ausstellung im Raum eröffnet mit dem Fegefeuer, Dantes zweitem Teil der Göttlichen Komödie, in der der Mensch grausam untergeht oder Läuterung erfahren kann. Cattelans Purgatorium ist hier ein verkleinert nachgebautes, hölzernes Brandenburger Tor mit marmorner zum Eingang hin ausgerichteter Quadriga. Durch die Öffnungen zwischen den Säulen, Pfeilern und heroischen Reliefs schreitet der Besucher in die Ausstellung. Wir sind in Berlin, das ursprünglich zur äußeren Prachtentfaltung gebaute Triumphtor, später politisch und kriegerisch umkämpft, heute Symbol dieser Stadt empfängt uns – nicht freudig und glanzvoll, eher streng, vielleicht altbacken deutsch und mit dem Durchblick auf neun am Boden liegende weiße marmorne Leichentücher, unter denen sich gut nachvollziehbare menschliche Tote befinden.

Je nach Wegstrecke durch die Halle begegnet man einem Eselkarren, das panisch erschreckte Tier steigt in die Höhe, der schwere Wagen hält es in der Luft und nimmt ihm den sicheren Bodenkontakt.

Ein stolzer Adler aus Marmor liegt abgestürzt, den Kopf verrenkt, die Flügel abgespreizt flach auf dem Boden. Trotz des edlen Materials und der feinen Verarbeitung ist nichts mehr spürbar von diesem heroischen, furchteinflößenden Wappentier.

Der nächste Blick fällt auf einen brav knieenden, betenden Jungen in Flanell-Anzug mit Krawatte und fein gescheiteltem Haar. Unverwandt schaut er mit seinem alten Gesicht auf die Fensterfront, er ist Hitler als unschuldiges Kind. Reflektiert er seine Grausamkeiten? Ersucht er Vergebung? Bei wem? In seinem Rücken die Toten unter den Tüchern, vor ihm eine junge Frau, von der Decke gehängt, bäuchlings in einer Kiste fixiert, die Hände verdreht, als wolle sie sich irgendwo festhalten – eine weibliche Gekreuzigte!

Auch ein totes Pferd hängt von der Decke, mit gebogenem Rückgrat und überlängten Beinen, als sei alles Leben aus ihm herausgelaufen.

Ein kleines Hundewelpen hat sich zusammengerollt und Schutz gefunden in einer großen Abwasserröhre. In gleichen zeitlichen Abständen tönt ein lauter Schlag von außen auf diese Hülle, nichts ändert sich, der Hund scheint tot.

Ein Jugendlicher sitzt im Hoody an einer Schülerbank, bewegungslos, den Blick starr nach draußen gerichtet, die Hände sind brav auf den Tisch gelegt, fixiert mit Stiften, wie mit Messern auf die Platte genagelt.

In einer hölzernen Kammer in einem Doppelbett liegt ein leicht verkleinerter Cattelan im dunklen Anzug mit seinem Doppelgänger aufgebahrt, die Augen weit geöffnet, unklar, ob all der Taten, die er miterlebt, mitbewirkt oder nur angesehen hat.

In einer anderen Kammer, der früheren Garderobe des Museums, steht ein Bauhaus Kleiderständer, an ihm hängt ein kleiner Cattelan im grauen Filzanzug, eine Hommage an Beuys, aber auch ein Eingeständnis von Machtlosigkeit: er hängt dort, wo normalerweise ein Kleiderstück abgegeben wird, ohne Wirkmacht, ohne Bedeutung. Im selben Raum, ganz klein ein marmornes, weißes Ei, mit dickem, schwarzen Nagel brachial an die Wand geschlagen, das Leben daraus gewichen, zerstört.

Wirklich schockierend ein Blick in die Runde der Ausstellungshalle: die vielen Besucher zwischen all den konnotierten Unglücken und Katastrophen, aber überall ruhige Auseinandersetzung, genaues Betrachten, fachmännisches Besprechen. Alle Exponate sind von präziser, überzeugender Machart, sie lösen keine Bestürzung aus, wirken eher klein und verloren in dieser weiten Halle.

Oder sind wir zu abgestumpft? Ist Vorstellung von Leid für uns nur theoretisch? Oder wissen wir, dass auch der im Raum abgestellte Feuerlöscher (Dust) mit der Asche eines Freundes, keine Abhilfe schaffen kann, sondern nur noch ein Erinnerungsstück ist, das einmal Rettung in Notfällen versprach? Cattelan, dessen Werke oft auch schmunzeln ließen, spiegelt hier aktuelle politische und soziale Abgründe in sachlicher Kühle, der Gefrierpunkt scheint überschritten…

 

Gustave Courbet

„Ich, Gustave Courbet, Maler und Rebell“

Museum Folkwang Essen, 17. Juli – 8. November 2026

 

Selten hat der Titel einer Werkschau deren Inhalt so treffend beschrieben: ein großer Maler mit einem starken Ich, welches mit umwälzerischem Gestaltungswillen das 19. Jahrhundert prägte. Er war Autodidakt, kam vom Land, aus Ornans, stand voller Widerspruch zum strengen französischen Akademismus und zu den Regeln, die sich in den jährlichen Salon-Ausstellungen manifestierten. So eröffnete er z. B. nach der Ablehnung einiger Werke einen eigenen Salon. Auch die Mitgliedschaft in der Pariser Kommune und deren politisches Treiben kennzeichnen ihn als unabhängigen, freiheitlichen politischen Geist, sind allerdings auch die Gründe für sein freiwilliges Exil in der Schweiz am Ende seines Lebens.

Die Ausstellung eröffnet gleich mit einem Höhepunkt seines Werks: ein Raum, der auf allen vier Wänden Selbstportraits zeigt. Courbet probierte sich aus - in Haltung, in Stimmung, in Gesten, in unterschiedlicher Kleidung, vehement überzeugend und lebendig, in ganz spontanen schnellen Momenten ist sein Gesicht erfasst, beinah ein lebensechtes Gegenüber des Betrachters. Unwillkürlich versucht man, in der Psychologie dieses Antlitzes zu lesen. Rembrandt und seine vielen Selbstportraits fallen einem ein, allerdings ist Courbets Maltechnik anders: Farbe ist als Material sichtbar, pastos aufgetragen, oft mutig gespachtelt. In „Le fou de peur“ scheinen sich Hand und Augen auf den Betrachtenden zu stürzen, die gesamte untere rechte Ecke des Bildes ist mit groben Pinselstrichen im Unklaren, Abstrakten gelassen – unfertig oder gewollt? Ein freier, unabhängiger Künstler steht dahinter.

Sichtbar und lesbar wird in diesen vielen Selbstportraits auch der Selbstdarstellungsdrang. Courbet brachte sich selbst damit ins Museum, jeder sollte ihn als Künstler wahrnehmen und als Person kennen. So gab er jedem verkauften Ölbild eine Art Visitenkarte bei, auf deren Vorderseite ein Foto von ihm abgelichtet war.  

Hauptziel seiner Malerei war das unmittelbare Erfassen und Aufzeigen einer ungeschönten Wirklichkeit. Das zeigt sich in seinen Landschaften, die unspektakuläre, ungeschönte Ausschnitte wiedergeben, in seinen Meerbildern, die ihre Schaumkronen geradezu aus der Leinwand rauschen lassen, in seinen Jagdszenen, die sich fast immer unerwartet auf das Wild konzentrieren, und auch auf seine Akte. Der berühmteste, „L´origine du monde“, von dem allerdings nicht bekannt ist, ob der metaphorische Titel von ihm stammt oder später hinzugefügt wurde, ist ein Auftragsbild gewesen, das lange Zeit in Privatbesitz blieb und hinter einem Vorhang hing. Aber Courbet hat es mutig/übermutig gemalt, sicherlich lockte ihn auch bei diesem Thema das Überschreiten gewisser Grenzen. Erst 2023 stießen drei Konservatoren der Stadtbibliothek von Besancon auf den sorgfältig verpackten Briefwechsel zwischen Courbet und Mathilde Svazzema, der Inhalt eine wilde erotische Romanze mit intimen Details, die eventuell den Hintergrund gebildet haben für dieses sehr männliche Werk. Ein Gegenentwurf dazu existiert im Werk Rosemarie Trockels, in „Replace me“, wo sie ein Schwarz-weiß-Bild dieses Gemäldes zugrunde legt und die weibliche Scham bedeckt mit einer großen Vogelspinne, eklig, gefährlich, aber auch lockend voller Geheimnis.

Die Werkschau vermittelt eindrücklich Bedeutung und Meisterschaft Courbets, selbst Cezanne wird zitiert, der besonders Courbets kraftvollen Umgang mit Farbe bewunderte und zum Vorbild nahm.

 

 

Jaume Plensa

"Invisible"

Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, 26. Juni – 1.November 2026

 

50 Frauen, ein Weltstar und die Poesie des Menschseins – so der Untertitel der Ausstellung, zu deren Aufbau und Eröffnung Jaume Plensa nach Duisburg gekommen ist.

Gleich vor dem Eingang des Museums wird man von einem überdimensionalen weiblichen Kopfobjekt, „Flora“, empfangen. Dieses Wesen schaut den Besucher nicht an, es ist einfach nur da, die Lider gesenkt, ganz in Ruhe wie in reflektierender Selbstbetrachtung, als Körper anwesend, dennoch abwesend. Beim Betrachten wird man nicht hereingelassen, man bleibt davor, draußen, die Hülle der Skulptur umschließt das Innere, beschützt es als eine Innenwelt, die unseren Augen verborgen bleibt. Eintreten können wir nur über unsere Gedanken, Vorstellungen, Fantasien, Träume. Die Augen, die Fenster zur Seele, gewähren uns keinen Zutritt. Vielleicht hat Jaume Plensa deswegen auf dem Ausstellungstitel „Invisible“ bestanden, nicht die Sichtbarkeit der Objekte wird betont, sondern das Gedankliche, das sie verbergen, dem sich die BesucherInnen öffnen sollen.

Diesen Vorgaben folgen auch die vielen Köpfe in der Ausstellung, wobei jeder Kopf anders ist und doch ähnlich, in der Form gelängt, wie verlangsamt, archaisch und doch aus unserer Zeit. Jede dieser Frauen hat einen Namen, die Skulpturen sind nach Plensas Fotos entstanden, also sehr persönlich. Doch diese Frauenköpfe sind keine Portraits, sie spiegeln keine Wirklichkeit, sondern verbreiten eine Zurückgezogenheit, eine kontemplative Stille, eine meditative Atmosphäre. Ihre Erscheinung, ganz gleich in welcher Materialität sie ausgeführt sind, ob in Alabaster, Bronze, Holz, Gussstahl, Draht, Glas, ist von geisterhafter Schönheit. Dabei wirken sie viel leichter, als das verwendete Material es vermuten lässt.

Die Ruhe in den Ausstellungsräumen findet eine Steigerung durch graphische Arbeiten auf den Wänden, besonders durch das hingehauchte Andeuten von erscheinenden und verwehenden Gesichtern. Während der langen Aufbauzeiten hat Jaume Plensa zarte Ansätze von Gesichtern mit Graphit auf die Wände gezeichnet, leicht gedehnt, facettenhaft und doch intensiv. Meisterlich werden auch da menschliche Gesichter angedeutet in ihrer schönen Erscheinung, aber auch hier die Botschaft: denken, erkennen, beurteilen, was sich hinter einer äußeren Hülle verbergen mag, muss jede/r selbst. Das wirklich Wesentliche ist nicht sichtbar, Poesie und Spiritualität tragen sie in sich, diese müssen entdeckt werden.

Eine andere Werkgruppe taucht ein in die Welt der Zeichen, z. B. der Buchstaben und Noten. Diese bilden die Hüllentextur großer Körperplastiken.  Sie formen Menschen in ruhender nachdenklicher Pose, dabei vermittelt sich der gedankliche Zugang über diese Zeichen. Buchstaben, Worte, und damit unsere Sprachen, sind ein wesentliches Merkmal menschlichen Seins und menschlicher Werte. Plensas Werke geben Impulse vor, aber sie formulieren keine eindeutigen Botschaften. Diese ergeben sich erst im Kontakt, beim Sich-einlassen und in der intensiven Wahrnehmung dieser Arbeiten. Laut Plensa ist eine Skulptur „die beste Art“ eine Frage zu stellen, und davon gibt es in dieser Ausstellung viele.

 

 

 

 

 

 

Meine Eindrücke von weiteren Ausstellungsbesuchen finden sich hier

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© Germaine Richter