Südsauerland Museum Attendorn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

halt - und dann, 7, 2015, Papierhohlform kaschiert, Acryl, 31x6,5x28cm, Ausstellungsfoto

Ein schmaler leicht deformierter Kubus. Auf den Stirnseiten sitzt jeweils eine Figur. Sie sind voneinander abgewandt. Jede schaut in ihre Richtung. Fest sind sie mit dem Kubus, ihrem Sitzraum, verbunden. Sie besetzen ihn und tun dies an unterschiedlichen Stellen. Er gibt ihnen halt, er erdet sie, er verleiht Ruhe und Gelassenheit, sie kennen ihren Ort. Möglichkeiten einer Bewegung, die Haltung oder Richtung zu ändern, sind ausgeschlossen. Diese mangelnde Freiheit zur Entscheidung bringt mit sich eine nach außen strahlende Gefasstheit.
Aber genau diese Haltung beinhaltet auch Gegenteiliges. Die Figuren wirken bewegungslos, erstarrt, an ihren Platz gefesselt. Ihr Blick richtet sich nicht auf einen anderen, er richtet sich auf den Leerraum gegenüber.
Figuren und Kubus sind malerisch überzogen von Mohnknospen, -blüten und –kapseln. Der florale Verlauf spiegelt Kommen und Gehen, Erblühen und Verwelken. Gelassen ertragen die beiden Figuren das Gesetz des Lebens.
In der Ausstellung „Kontakt unerwartet“ steht das Objekt auf rotglühendem Grund. Unterschwellige Wärme, gedankliche Sehnsucht? Die gläserne Haube gibt diesem Kosmos seine Begrenzung.
Aber die Papierhohlformen von Germaine Richter sind leichte hohle Formen aus Papier, sie ahmen epigonenhaft ein Objekt aus einem anderen Material nach. Der Betrachter wird in seiner Wahrnehmung  verführt, die bildhafte Aussage zu reflektieren, auch wenn sie nur eine Nachbildung einer Nachbildung einer Nachbildung…  ist.

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© Germaine Richter